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Das Leben der Anderen

Zuviele Drogen habe er genommen – sagt Douglas Brinkley, sein Biograph, über Hunter S. Thompson. Eine… interessante Aussage über den Protagonisten des populärsten Drogentrips ever. Johnny Depps drogeninduzierte Sonnenbrille – und was dahinter übrig ist – beäugt eine Generation dabei, wie sie sich gegenseitig unter die Ringelpullis grapscht. Eine kulturindustriell vermittelte Ikone, die den Autor scheinbar so überzeichnet, dass sich das notorische Poster eins A in die Ikea-Wohnwelt integriert. Hier trifft das aufblasbare Plastiksofa auf abwaschbare Gedanken, die Flecken auf dem durchgefickten Gehirn erweisen sich als Requisite. Der zweifellos großartige visuelle Exzess zischt an einem vorüber, glitzert als er im Nichts zwischen zwei Neuronen explodiert und hinterlässt die romantische Idee, dass wahre Schönheit knallt, wenn sie sich zeigt. Die Dunkle Seite hat eine Hochglanzbroschüre gedruckt. Die Leute reißen sie ihr aus der verbliebenen Hand.
Wenn ich so aus dem Fenster blicke, das dritte Glas Prosecco in der einen, eine Gauloises in der anderen Hand, es ist Nachmittags, draußen oben ist es bedeckt, draußen unten die übliche Geschäftigkeit am Rande des Campus, man trägt gedeckte Farben – Ringel ist irgendwie out seit einiger Zeit .- Was das damals alles sollte, kann ich inzwischen gut verstehen. Der Rausch der Bilder ist ein Versprechen darauf, nichts Versprochenes halten zu müssen. Die totale Freiheit angesichts des Untergangs. Der Tod des american dream, dessen Sterben sich in den buntesten Farben entlädt. Die Hoffnung, dass ein Kontinent groß genug sein kann – dass es einen Ort geben muss, irgendwo hier, do you know where to find it, fragt Mr. Thompson mit seinem Kasetten-Recorder an einem Taco-Stand irgendwen, der es nicht begreift. Las Vegas aber entpuppt sich als Fatamorgana. Als Hort des Wahnsinns, bevölkert von Reptilien, verwüstet von eigener Hand. Das Leben zählt nur insoweit, als wir es zu vermeiden wissen, d.h. insofern wir uns zwar in der gleichen Raumzeit bewegen wie alle Anderen, aber nicht mehr in der selben. Die Drogen sind nur ein Mittel, die Ablehnung des falschen Ganzen mit Blut zu besiegeln. Ihr jeweiliger Effekt mag eine je einzigartige Welt erschaffen, die ganz für sich erforscht werden will. Was am Ende des Tages zählt, ist, dass es eine Verschiedene ist. Mit der alten Erkenntnis, dass das Licht am hellsten ist ganz am Ende des Tunnels, beginnt die wilde Flucht durch die Wüste und die Erkenntnis dämmert: Wir kommen damit durch.
Letztes Wochenende um die Mittagszeit, high noon in der Innenstadt. Während die Tür hinter mir ins Schloss fällt und mich in die Hitze der engen Strassen spuckt, wird mir bewußt, wie verschieden diese Welt tatsächlich ist. Verschanzt hinter einer Sonnenbrille, die längst mit meinem Gesicht verwachsen ist, versuche ich mir den Weg durch die Menge zu bahnen, ohne weiter aufzufallen. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Unterfangen schon gescheitert ist, lange bevor wir auf die Idee gekommen sind, uns heute noch vor der Welt zu entblößen. Ich habe jemanden dabei, den ich bei der Hand nehmen muss, um seine offensichtliche Angst vor den Protagonisten der Realität zu mildern. Völlig verpeilt, ich kann nicht umhin, sein blasses Gesicht toll zu finden, dessen wirre Augen nicht vor den Blicken des öffentlichen Unverständnisses geschützt sind. Ich muss wohl eine Macke haben. Nehmen wir schon zuviel, oder ist diese Kategorie denjenigen Vorbehalten, deren Genie die Welt im gleichen Atemzug schon für im Aussterben befindlich erklärt, in dem sie es erkennt? Leute, die was zu verlieren haben. Leute über Leute, von denen sie glauben, sie könnten ihnen irgendwelche Antworten geben. Nein, das nehme ich jetzt noch, mehr nehmen hilft.
Der typische Rockstar ist ein tragischer Held. Tragisch, insofern er an seinem Versuch zugrunde geht, die Welt wie sie ist zu ignorieren. Ein Held, weil er eigentümlicherweise gerade deshalb zur Projektionsfläche der Träume ganzer Generationen wird. Hunter S. Thompson war kein Rockstar, aber in dem zweifellos kleinen Teil des öffentlichen Bewußtseins, der mir persönlich zugänglich ist, wird er von manchen als solcher angesehen. Und dies nicht wegen der schwülen Ereignislosigkeit Puerto Ricos, die nur gelegentlich von eskalierenden Sauftouren durchbrochen wird, noch wegen der wahrscheinlich relativ nüchternen, investigativen Unterwanderung der Hell’s Angels – keine Ahnung, hab ich nicht gelesen. Sollte ich mal machen – der Teil meines Bewußtseins, der Hunter S. Thompson geil findet, kann das vertragen. Wirklich untergegangen ist er allerdings nie. Nur stiller geworden mit der Zeit, hab ich den Eindruck. Abgesehen von seinem Abgang. Der hat allerdings etwas anderes gesagt als Tragik, die ganz großer bullshit ist. Keine Überdosis, sondern freie Wahl. Punkt. Vielleicht doch Komma, was weiß ich, wie fertig der Typ am Ende war. Die Nummer mit der Rakete scheint mir aber dafür zu sprechen, dass er noch eine Menge Humor übrig hatte. Und dass heißt Abstand von sich selbst. Und das ist das wichtigste. Darum geht es. Zuviel nimmt man, wenn weniger nicht mehr reicht.
In den Augen der ganzen Irrern, die gar nichts nehmen, ist ein bißchen schon zuviel. Aber für nichts auf der Welt würde ich ein, zwei Tage schlechte Stimmung und verwirrte Gedanken gegen das ständige, unterschwellige Gefühl tauschen, irgendetwas zu verpassen. Oder schlimmer, das Gefühl, hier nichts zu verpassen. Also gar keins. Und dagegen sind die Geschichten von Hunter S. Thompson ein Beispiel, wie es auch laufen kann. Wir kommen damit durch, die Möglichkeit besteht. Es ist sogar recht wahrscheinlich, könnte sein. Kein Grund, sich was vorzumachen, aber auch keiner, der gegen etwas Disziplinlosigkeit sprechen würde. Der Kommunismus ist das Mittlere. Das Leben, dem ich entgehen will, ist nicht mein eigenes. Es ist das Leben der Anderen.
In meinem Jetzt jedenfalls, das wie immer etwas hinterher hinkt, gibt es seit neuestem mehr Stoff, um die Legende weiter auszuformulieren. Ach Scheisse, Legende. Bloss nicht auf der Exzentrik anderer Leute ausruhen, damit man es selbst nicht machen muss.

Gonzo. The Life and Work of Hunter S. Thompson

The Gonzo Tapes

Etwas poltert (bayr.)

Gennen si mei Eude? Nein, bisher nicht. Wos starrns di danoh? Ich wollte nur wissen, wo sie herkommt. Ja wos komm si denn woher? Gottseidank nicht aus Bayern. Wos sol des denn jetzt heissen? Weil ich mir Euer Gewäsch nicht mal ausdenken kann, ist ja furchtbar. Ich frage mich allerdings, wie ihr andererseits so herzergreifende Aktionen wie die Münchner Räterepublik – ich spreche hier hauptsächlich von der zweiten, so genannten Künstlerräterepublik –, ähh, wo war ich? Einen Exzentriker host mi gschimft. Des woan doch olles di Matrosen phon außerhalb… di haben uns unter den Tisch gsoffen und UNS di – Gewehre geklaut!
Eine Waffe haben wir aber noch in Bayern, Gerhard Polt. A ge mia weg mit den Roten. Geh selber weg; und vergiss deine Alte nicht.

Text kommt später

Dietrich Kittner mit spitzensound(c). Ich kann verstehen, dass der Fernsehverbot hat. Gut finde ich das nicht. Das Fernsehverbot.

Woher hat Rainald Grebe dieses Genie? Da können diese anderen KabarettistInnen mal einfach nach Hause gehen. Und in letzter Zeit finde ich, wir er ein kleines bißchen zum Rockstar.

Und was kommt danach?
Grosse Schritte? Und in welche Richtung?

Distanzierung: _